Wir gelangen so zu dem Schluss, dass an der Oberfläche einer Flüssigkeit senkrecht nach Innen gerichtete Kräfte wirken. Es ist allerdings richtig, dass die Angriffspunkte dieser Kräfte nicht allein gerade in die Oberfläche fallen, aber die Versetzung derselben in die Oberfläche wird wegen der geringen Dicke der betrachteten Schicht kaum von Einfluss auf das Resultat sein. Somit sind wir bei Flüssigkeiten zu dem gleichen Resultat wie bei den Gasen gelangt. Hier wirken auch innerhalb der Masse keine Kräfte, sondern nur solche senkrecht auf die Oberfläche. Ist N die Grosse dieser mole-cularen Kraft pro Flächeneinheit, so erhalten wir auch in diesem Falle: (12) 2\m7* = %Nv.

Hätten wir die Kräfte nicht alle in die Oberfläche versetzt, so würden wir eine Anzahl von normalen Kräften zu betrachten haben, die sich durch die Oberflächenschicht in einer Reihe von parallelen Schichten vertheilen. Wirken in den verschiedenen Schichten die Kräfte N17 JV2 etc. und schliessen diese Schichten die Volumina vl} v2 etc. ein, so bekommen wir:

Nennen wir die Summe von N^N2 etc. .ZV, v das Gesammt-volumen der Flüssigkeit und v1 das Volumen innerhalb der Oberflächenschicht, so haben wir:

In allen Fällen, worin v und vl nicht merkbar verschieden sind, werden wir uns mit (12) begnügen können.

Als Zwischenzustand zwischen Flüssigkeiten, bei denen wir keinen äusseren Druck annahmen, und Gasen, bei denen wir die molecularen Kräfte fehlen Hessen, haben wir den Zustand, in dem beide Factoren vorhanden sind. Wir werden weiter unten sehen, dass dies eigentlich der einzig vorkommende ist. Wir nehmen also allerdings moleculare Anziehung an, aber die Erfahrung lehrt uns, dass diese allein nicht hinreicht, um der Wärmebewegung Widerstand zu leisten. Beiläufig gleicht dieser Zustand, nämlich der von sehr dichten Gasen oder Dämpfen, äusserlich mehr dem der sogenannten